HINTERM HORIZONT erzählt die Geschichte einer großen Liebe, zwischen Mauer und Stacheldraht - zwischen Ost und West. Mit den Hits von Udo Lindenberg und dem Humor von Thomas Brussig ("Helden wie wir", "Sonnenallee"). Es ist die Liebe zwischen Udo und dem Mädchen aus Ost-Berlin.
1983: Als einer der ersten westdeutschen Rockmusiker erhält Udo Lindenberg die Erlaubnis ein Konzert in der DDR zu geben. Bei seinem Auftritt im Palast der Republik lernt Udo das junge FDJ-Mädchen Jessy kennen. Zwischen beiden entwickelt sich eine schicksalhafte Liebe. Für die Stasi Desaster und Chance zugleich. Kann sie über Jessy den Rebellen Lindenberg zähmen? Kann sie die Lindenberg-Euphorie im eigenen Land stoppen? Aus der Ost-West-Liebe wird ein großes Abenteuer, das auch mit dem Mauerfall und einem Wiedersehen in Moskau nicht endet.
Jessy und Udo gehen ihrer Wege und treffen sich erst 2010 wieder. Sie ist verheiratet und hat einen 19 jährigen Sohn. Ein Rebell. Ganz und gar nicht wie der Vater, den er kennt.
Dessen Geschichte wird jetzt im Theater am Potsdamer Platz erzählt. Einen symbolträchtigeren Ort für die von viel Prominenz bejubelte Uraufführung gibt es kaum, denn hier verlief die Mauer, hier war das Niemandsland, das die beiden Deutschlands trennte. Und das schon zwölf Jahre lang, als Udo Lindenberg 1973 seine Ost-Berliner Mädchenbekanntschaft besang.
Die Handlung von HINTERM HORIZONT selbst beginnt allerdings zehn Jahre später, als Udo Lindenberg im Ost-Berliner Palast der Republik auftrat. Das Stück greift erst zurück und dann voraus. Bühnenraumgroß werden Filmbilder vom Mauerbau gezeigt. Visueller Nachhilfeunterricht für die Spätergeborenen. Dazu besingt Udo Lindenberg das „Mädchen aus Ost-Berlin“. Langsam wird der Vorhang durchsichtiger, und man sieht einen übergroßen Hut, auf dem Udo Lindenberg steht und singt (später wird auch die Krempe bespielt). Aber es ist nicht der originale Udo, sondern Serkan Kaya, ein Darsteller nicht nur mit Migrations-, sondern auch mit Musicalhintergrund. Und Kaya macht das sehr gut: Er klingt echt, ohne Double oder gar Parodie zu sein.
Der Hut wird immer wieder ins Spiel kommen, obwohl Udo Lindenberg sein späteres Markenzeichen damals in Ost-Berlin noch nicht trug. Ansonsten aber durfte Bühnenbildner Raimund Bauer ironisch mit ostalgischen Bildzitaten spielen, denn die Geschichte des Musicals HINTERM HORIZONT spielt nicht nur im Showmilieu.
Die Rahmenhandlung zeigt, wie eine Boulevardjournalistin von heute jenes FDJ-Mädchen aufspüren soll, das anno 1983 Udo Lindenberg umarmte. Um dieses real existierende Mädchen geht es. Ob alles andere an dieser Geschichte stimmt, ist nicht weiter wichtig. Jessy erzählt der Journalistin ihr (Liebes-)Leben, zum Ausgleich revanchiert sich die Reporterin am Schluss und biegt manches gerade.
Man hat für das Musical HINTERM HORIZONT den Ostberliner Autor Thomas Brussig an Bord geholt, der diese deutsch-deutsche Geschichte mit einigem Witz und etlichen Kalauern anreichert. Es gibt sehr komische Momente an diesem Abend (und auch Gelächter). Wenn etwa die FDJ der Rock-Begeisterung ihre eigene biedere Tanzfröhlichkeit entgegensetzen will. Oder wenn später die SED-Oberen der Udo-Mania ihren eigenen Lindenberg entgegensetzen wollen. Zwar heißt die überlieferte Stasi-Originalbeurteilung über Lindenberg „Kann nüscht“, aber dem setzt die SED ihr klassenbewusstes „Im Nichtskönnen lassen wir uns nichts vormachen“ entgegen.